Renovierungspass in GEQ erstellen und bearbeiten

Lukas Zehentmayer
Veröffentlicht von Lukas Zehentmayer
  • Aktualisiert

Mit dem Renovierungspass erstellen Sie aus einem bestehenden GEQ-Projekt einen mehrstufigen Renovierungsfahrplan und berechnen jede Sanierungsstufe.

Der Renovierungspass baut auf dem Gebäudemodell des Energieausweises auf. Geometrie, Bauteile, U-Werte, Haustechnik und Nutzungsprofil müssen daher nicht erneut erfasst oder in eine andere Anwendung übertragen werden.

Voraussetzungen

Vor der Erstellung sollten folgende Projektdaten vollständig und geprüft sein:

  • Geometrie und konditionierte Gebäudeteile
  • Bauteilaufbauten und U-Werte
  • Fenster und Türen
  • Heizungs-, Warmwasser- und Lüftungssysteme
  • Nutzungsprofil
  • Standort und Klimadaten
  • berechneter Ist-Zustand
  • bekannte technische oder bauliche Einschränkungen

Wichtig: GEQ erstellt einen berechneten Vorschlag. Die fachliche Prüfung und Anpassung bleiben Aufgabe der Energieberaterin oder des Energieberaters.

Renovierungspass starten

  1. Öffnen Sie das betreffende GEQ-Projekt.
  2. Öffnen Sie Optiqus.
  3. Wählen Sie Renovierungspass.
  4. Prüfen Sie die übernommenen Bestandsdaten.
  5. Prüfen Sie die vorgeschlagenen Maßnahmen und Dämmstoffdicken.

GEQ verwendet den berechneten Ist-Zustand als Ausgangspunkt. Alle folgenden Renovierungsstufen bauen kumulativ aufeinander auf.

Wie die Renovierungsstufen berechnet werden

GEQ stellt Maßnahmen zu mehreren aufeinander aufbauenden Etappen zusammen. Eine typische Reihenfolge umfasst:

  1. oberste Geschoßdecke oder Dach
  2. Kellerdecke oder erdberührten Boden
  3. Fenster und Türen
  4. Außenwände
  5. Heizungsumstellung
  6. Photovoltaik oder Solarthermie
  7. weitere technische Maßnahmen

Die Reihenfolge kann an das konkrete Gebäude angepasst werden. Gründe dafür sind beispielsweise:

  • eine Heizung am Ende ihrer Lebensdauer
  • akut notwendige Dacharbeiten
  • begrenztes Budget
  • unterschiedliche Restlebensdauer der Bauteile
  • bauliche Abhängigkeiten zwischen Maßnahmen

Jede Renovierungsstufe wird auf Grundlage des Ergebnisses der vorherigen Stufe berechnet. Eine Änderung der Reihenfolge verändert daher alle nachfolgenden Kennwerte und Einsparungen.

Wichtig: Nach einer Änderung der Reihenfolge müssen die Renovierungsstufen und die dazugehörigen Beschreibungstexte neu berechnet werden. Bereits erzeugte Texte können wegen der geänderten Vergleichsbasis nicht unverändert weiterverwendet werden.

Wirtschaftliche Dämmstoffdicken prüfen

Optiqus berechnet für die einzelnen Bauteile eine wirtschaftliche Dämmstoffdicke. In die Berechnung fließen insbesondere ein:

  • Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs
  • Kosten je Kubikmeter Dämmstoff
  • Energiepreis
  • Standort und Klimadaten

Die vorgeschlagene Dämmstoffdicke kann übernommen oder manuell geändert werden.

Technisch nicht durchführbare Maßnahmen

Kann eine vorgeschlagene Maßnahme nicht vollständig durchgeführt werden, erfassen Sie die technisch mögliche Ausführung und dokumentieren den Grund.

Mögliche Einschränkungen sind:

  • zu geringe Raumhöhe
  • konstruktiv begrenzter Platz
  • Denkmalschutz
  • problematische Anschlussdetails
  • Anforderungen des Feuchteschutzes
  • nicht zugängliche Bauteile

GEQ reduziert die Anforderung im Ausmaß der technisch nicht durchführbaren Maßnahme.

Beispiel: Optiqus ermittelt für eine Kellerdecke eine Dämmstoffdicke von 10 cm. Wegen der Raumhöhe können nur 4 cm ausgeführt werden. Sie tragen 4 cm als technisch mögliche Dämmstoffdicke ein und begründen die Einschränkung. GEQ ermittelt die energetische Wirkung des nicht ausführbaren Anteils und reduziert die Anforderung in diesem Ausmaß.

Die technisch mögliche Ausführung wird anschließend für die Renovierungsstufe verwendet.

Gebäudeheizlast und Systemtemperatur

Mit jeder Verbesserung der Gebäudehülle sinkt normalerweise die Gebäudeheizlast. Dadurch verändern sich auch die erforderliche Heizleistung und die benötigte Systemtemperatur.

GEQ berechnet die Gebäudeheizlast für die einzelnen Renovierungsstufen. Die Regeln zur Anpassung der Systemtemperatur sind standardmäßig hinterlegt und werden automatisch angewendet. Sie müssen dafür nichts aktivieren oder einstellen.

Wenn die Gebäudeheizlast im Verlauf der Renovierung sinkt, verwendet GEQ für die weiteren Berechnungen eine entsprechend niedrigere Systemtemperatur. Dadurch wird der Endenergiebedarf passend zum jeweiligen Sanierungsstand berechnet.

Diese Berechnung ist besonders bei Wärmepumpen und wassergeführten Heizsystemen relevant. Eine dauerhaft zu hoch angesetzte Systemtemperatur würde den berechneten Endenergiebedarf unnötig erhöhen.

Bei elektrischen Direktheizungen gibt es keine Vorlauf- und Rücklauftemperatur. Die entsprechenden Regeln werden für solche Systeme nicht benötigt.

Wichtig: Prüfen Sie bei einer geplanten Absenkung der Systemtemperatur, ob die vorhandenen Heizflächen ausreichend dimensioniert sind. Abhängig vom Gebäude kann der Austausch einzelner Heizkörper erforderlich sein.

Maßnahmen und Kosten bearbeiten

Für jede Renovierungsstufe können die angesetzten Maßnahmen geprüft und angepasst werden. Abhängig von der Maßnahme lassen sich unter anderem bearbeiten:

  • Dämmstoffdicke
  • Heizsystem
  • Wärmeabgabe
  • Photovoltaikleistung
  • Solarthermie
  • geschätzte Investitionskosten
  • kumulierte Energiekosten
  • technische Hinweise
  • Beschreibungstexte

Die technische Machbarkeit und die Restlebensdauer bestehender Bauteile sollten in die Festlegung der Reihenfolge einfließen.

Beschreibungstexte erstellen

GEQ kann für jede Renovierungsstufe automatisch einen Beschreibungstext erzeugen. Der Text beschreibt die Maßnahme und deren Wirkung für den späteren Bericht.

Sie können:

  • den automatischen Text verwenden,
  • den automatischen Text in die manuelle Fassung übernehmen,
  • den übernommenen Text fachlich ergänzen,
  • einen vollständig eigenen Text erfassen.

Für den Bericht wird entweder die automatische oder die manuelle Textfassung verwendet.

Prüfen und ergänzen Sie insbesondere:

  • technische Voraussetzungen
  • notwendige Folgearbeiten
  • Einschränkungen
  • Hinweise zur Heizungs- oder Anlagenplanung
  • projektspezifische Abweichungen vom Vorschlag

Renovierungspass berechnen

  1. Prüfen Sie die Maßnahmen und ihre Reihenfolge.
  2. Erfassen Sie technisch nicht durchführbare Maßnahmen.
  3. Ergänzen Sie projektspezifische Kosten und Texte.
  4. Wählen Sie Renovierungspass erstellen.
  5. Warten Sie, bis alle Renovierungsstufen berechnet wurden.
  6. Prüfen Sie den Zielzustand und die Ergebnisse jeder Etappe.

GEQ berechnet die Entwicklung vom Bestand bis zum Zielzustand.

Kennwert Bedeutung
Heizwärmebedarf (HWB) Energetische Qualität der Gebäudehülle
Endenergiebedarf (EEB) Am Gebäude benötigte Endenergie
Primärenergiebedarf (PEB) Energieaufwand einschließlich vorgelagerter Prozesse
Treibhausgasemissionen Betriebsbedingte Emissionen
Energiekosten Berechnete Kosten je Renovierungsstufe
Effizienzklasse Entwicklung der Gesamtenergieeffizienz
Gebäudeheizlast Erforderliche Heizleistung im jeweiligen Sanierungsstand

Die Einsparungen einer Renovierungsstufe beziehen sich auf die unmittelbar vorhergehende Stufe. Sie beziehen sich nicht immer direkt auf den ursprünglichen Bestand.

Zielzustand prüfen

GEQ prüft, ob der geforderte Zielzustand mit den gewählten Renovierungsstufen erreicht wird.

Eine verbesserte Gebäudehülle allein reicht nicht in jedem Projekt aus. Ein bestehendes Heizsystem kann beispielsweise verhindern, dass die Anforderungen an Endenergiebedarf, Emissionen oder Gesamtenergieeffizienz erfüllt werden.

Kontrollieren Sie vor der Ausgabe:

  • Sind alle Maßnahmen technisch umsetzbar?
  • Wurden nicht durchführbare Maßnahmen korrekt erfasst?
  • Ist die Reihenfolge fachlich schlüssig?
  • Werden die maßgeblichen Anforderungen erreicht?
  • Sind Heizsystem und automatisch angepasste Systemtemperatur plausibel?
  • Sind Kosten und Beschreibungstexte vollständig?
  • Stimmen die Eingaben mit dem geplanten Gebäudezustand überein?

Warum kann kein PDF erstellt werden?

Die PDF-Ausgabe wird blockiert, solange der geforderte Zielzustand nicht erreicht ist. Dadurch kann kein Renovierungspass mit einem unzureichenden Endzustand ausgegeben werden.

Wenn die PDF-Ausgabe gesperrt ist:

  1. Prüfen Sie, welche Anforderung nicht erreicht wird.
  2. Kontrollieren Sie die gewählten Maßnahmen.
  3. Prüfen Sie das Heizsystem und die Energieversorgung.
  4. Kontrollieren Sie die Dämmstoffdicken.
  5. Ergänzen oder ändern Sie erforderliche Maßnahmen.
  6. Berechnen Sie den Renovierungspass erneut.

Sobald der geforderte Zielzustand erreicht ist, kann der PDF-Bericht erstellt werden.

PDF-Bericht erstellen

Nach erfolgreicher Zielprüfung kann der Renovierungspass als PDF ausgegeben werden.

Der Bericht enthält:

  • Gebäudedaten und Ist-Zustand
  • Übersicht über die Gesamtentwicklung
  • Reihenfolge der Renovierungsstufen
  • eine Einzelseite je Sanierungsmaßnahme
  • angesetzte Dämmstoffdicken
  • technische Beschreibung der Maßnahme
  • Kennwerte und Einsparungen je Stufe
  • Kostenangaben, sofern erfasst
  • erreichten Zielzustand

Prüfen Sie den vollständigen Bericht vor der Weitergabe. Der Renovierungspass muss in sich konsistent sein; einzelne Seiten ohne die zugehörige Berechnung und Dokumentation reichen nicht aus.

Häufige Fragen

Muss die automatische Anpassung der Systemtemperatur aktiviert werden?

Die Regeln für die Systemtemperatur sind standardmäßig hinterlegt und werden automatisch angewendet. Eine manuelle Aktivierung ist nicht erforderlich.

Was passiert bei einer technisch nicht durchführbaren Maßnahme?

GEQ reduziert die Anforderung im Ausmaß der technisch nicht durchführbaren Maßnahme. Dazu müssen die technisch mögliche Ausführung und der Grund für die Einschränkung korrekt erfasst werden.

Warum ist die PDF-Ausgabe gesperrt?

Die PDF-Ausgabe bleibt gesperrt, solange der geforderte Zielzustand nicht erreicht wird. Prüfen Sie die nicht erfüllte Anforderung, passen Sie die Renovierungsstufen an und berechnen Sie den Renovierungspass erneut.

Kann die vorgeschlagene Reihenfolge geändert werden?

Die Reihenfolge der Renovierungsstufen kann geändert werden. Danach müssen alle betroffenen Stufen und Beschreibungstexte neu berechnet werden.

Können eigene Dämmstoffdicken verwendet werden?

Vorgeschlagene Dämmstoffdicken können überschrieben werden. Technische Einschränkungen und die tatsächlich ausführbare Dicke müssen dokumentiert werden.

Können automatisch erzeugte Texte bearbeitet werden?

Automatisch erzeugte Texte können in eine manuelle Fassung übernommen und dort fachlich bearbeitet werden. Für den Bericht wird die ausgewählte Textfassung verwendet.

Ersetzt der Vorschlag die fachliche Planung?

Der automatische Vorschlag ersetzt nicht die fachliche Planung. Maßnahmen, Reihenfolge, technische Machbarkeit, Kosten, Heizflächen und Zielerreichung müssen projektspezifisch geprüft werden.

Weitere Informationen

War dieser Beitrag hilfreich?